Schönborn zur Dürre: Wir sind nicht die Herren der Schöpfung

Inmitten der anhaltenden Trockenheit, die über Österreich und große Teile Europas hinwegzieht, hat Kardinal Christoph Schönborn seine Gedanken über den Zusammenhang zwischen Mensch und Natur sowie die Bedeutung des Wettersegens geäußert. Der diesjährige Sommer bringt mit sich als eine der schlimmsten Dürreperioden seit Beginn der Wetteraufzeichnungen, was ihn als „erschreckend“ beschreibt. Die Auswirkungen zeigen sich bereits deutlich: „Die landwirtschaftlichen Erträge sinken, und die Preise werden steigen. Der Klimawandel ist bei uns angekommen“, stellt der emeritierte Erzbischof in einer Kolumne für die Tageszeitung „Heute“ fest.

In der Vergangenheit, so Schönborn, hätten die Menschen bei drohender Dürre um Regen gebetet. Auch er selbst spricht häufig einen Wettersegen, bei dem er um „gedeihliches Wetter“ bittet und darum, dass Naturkatastrophen wie Blitz, Hagel oder andere Unwetter fernbleiben. Dabei wird auch der Segen für „Felder, Gärten und Wälder“ sowie für die Früchte der Erde erbeten.

Diese Situation wirft grundlegende Fragen auf: „Hat der Wettersegen jemals einen Unterschied gemacht? Hat er echte Wirkung? Oder ist er nur ein Trost, weil wir am Wetter ohnehin nichts ändern können?“, fragt Schönborn. Auch die Frage, ob Gott in der Lage ist, das zu reparieren, was durch menschliche Umweltsünden beschädigt wurde, bewegt ihn.

Für den Kardinal stellt der Wettersegen eine wertvolle Hilfe dar, weil er uns daran erinnert, dass der Mensch nicht die absolute Kontrolle über die Schöpfung hat. Kommt es nach einem Gebet tatsächlich zu Regen, könnte man dies als Antwort auf das Gebet sehen. „Die Alten sagten: ‚An Gottes Segen ist alles gelegen’“, zitiert Schönborn eine bekannte Redensart und stellt die provokante Frage, ob diese Weisheit nicht vielleicht doch wahr ist.

In der katholischen Kirche wird der Wettersegen als spezielle Form der Segnung betrachtet, welche am Ende einer heiligen Messe ausgesprochen werden kann. Besonders zur Zeit zwischen den Bitttagen im Frühling und der Erntezeit kommt dieser Brauch zum Tragen. Im liturgischen Segensbuch „Benediktionale“ sind dafür verschiedene Formeln festgelegt.

Die Ernsthaftigkeit, mit der diese Themen angesprochen werden, verdeutlicht die tiefe Verbundenheit zwischen dem Glauben und der Verantwortung gegenüber der Umwelt. Die langfristigen Folgen des Klimawandels bereiten nicht nur Sorge, sie fordern auch ein Umdenken in der Gesellschaft. Der Kardinal betont, dass es an der Zeit sei, sich intensiver mit der eigenen Rolle und Verantwortung gegenüber der Schöpfung auseinanderzusetzen.

Indem die Menschen wieder mehr in Einklang mit der Natur leben und sich aktiv für die Erhaltung der Umwelt einsetzen, könnte der Wettersegen tatsächlich zu einem Symbol des Wandels und des Bewusstseins entwickeln. Es könnte die Gemeinschaft dazu anregen, nicht nur den Segen zu erbitten, sondern auch konkret Schritte zu unternehmen, um die Auswirkungen des Klimawandels zu bekämpfen und die Ressourcen der Erde zu schonen. So wird der Wettersegen zu einem Aufruf zur Reflexion und Handeln in einer Zeit, die von Herausforderungen geprägt ist.


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